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Eiseskälte und warme Worte: So lief Söders Premiere in der Residenz

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Trotz der heiklen Schnee-Lage lädt Ministerpräsident Söder die wichtigsten Repräsentanten Bayerns zum Neujahrsempfang. Er nutzt den Abend, um allen Helfern zu danken.

München– Das Jahr könnte schlechter beginnen. Gut, die erste Umfrage fiel für die CSU eher mäßig aus. Weite Teile des Freistaats ächzen unter den Schneelasten. Aber immerhin auf dem roten Teppich in der Münchner Residenz vernimmt Markus Söder am Freitagabend gute Nachrichten. Kirchliche Friedenssignale quasi. „Ich habe ihn ermutigt, die neuen Akzente weiterzuführen, etwa die Betonung des Schutzes der Natur“, berichtet Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, nachdem er Söder ein gutes 2019 gewünscht hat. „Das ist zutiefst christlich.“ Versöhnliche Worte, wenn man bedenkt, dass der Umgang zwischen Kirchen und CSU 2018 nicht immer ganz so christlich war.

Eine Selbstverständlichkeit ist dieser Empfang nicht. In der Regierung kann man auch auf nachdenkliche Mitarbeiter stoßen, die rätselten: Darf man prunkvoll feiern, wenn in fünf Landkreisen der Katastrophenfall ausgerufen ist? Wenn es Todesfälle gab und eine neue Schneewalze auf Bayern zurollt? Söder entschied: Ja, man darf. So wie auch Horst Seehofer 2015 entschieden hatte, die sehr begehrte Veranstaltung – wenn auch etwas gedämpfter – zu veranstalten, obwohl Europa unter dem Schock des Terroranschlags in Paris stand. Diesmal ist das Schneechaos in Oberbayern natürlich beherrschendes Thema. Der Ministerpräsident dankt den Einsatzkräften in seiner nachdenklichen Rede natürlich, die zeitgleich ihren Dienst verrichten. „Ich denke an diejenigen, die heute keine Chance haben, bei uns zu sein, die gerade im Einsatz sind und helfen.“

Horst Seehofer hatte das Defilee zuletzt abgeschafft. Er hatte es nie gemocht

Es ist Markus Söders Premiere bei diesem feierlichen Empfang. Eineinhalb Stunden lang stehen die Menschen an, um dem immer noch neuen Ministerpräsidenten einmal die Hand zu schütteln. In den Vorjahren stand er ja selbst im Defilee, der Dienstvorgesetzte Seehofer wünschte das so. Im Januar 2018 stand Söder zwar schon als neuer Regierungschef fest, war aber noch nicht gewählt. Seehofer hatte das Defilee zuletzt abgeschafft. Er hatte es nie gemocht. Stundenlanges Stehen. Rücken. Hunderte Male die gleiche Prozedur. Diesmal sind alle Kameras auf Söder und seine Frau Karin Baumüller-Söder gerichtet. „Grüß Gott. Schön, dass sie da sind“, sagt Söder dann. Und: „Gutes Neues Jahr.“ Dann kommen die Fotos.

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Edmund Stoiber findet es richtig, dass Söder die Prozedur wieder eingeführt hat. „Das Defilee gehört zu Bayern. Das ist für die Menschen etwas Besonderes“, sagt der Vor-Vorgänger. Söder genießt das Rampenlicht. Nicht nur, wenn er von den diversen Spargel-, Wein- und Weißwurstköniginnen umringt ist (die Spargelkönigin findet’s „aufregend“), sondern auch, wenn er mit Vertretern von Behörden, Vereinen und Verbänden kurz plauschen kann. Die meisten kennt er ja. Sogar die Opposition bekommt in der Regel freundliche Worte, wobei der Ministerpräsident ziemlich kühl sein kann, wenn ein AfD-Politiker vor ihm steht. Das Kabinett erscheint geschlossen. Die Landtagspräsidentin ist auch dabei. Ob sie nicht lieber selbst an Söders Stelle stünde? Ilse Aigner antwortet: „Das ist eine unzulässige Frage“ – und lacht herzlich.

1700 Gäste haben zugesagt. Wie viele es nicht durch den Schnee geschafft haben, lässt sich schwer sagen. Die Residenz ist weitläufig. Für den Empfang wurden mehr Räume geöffnet als früher. Einige Räume sind brechend voll, andere fast leer. Vor einigen Kunstwerken stehen Historiker und erklären, was da zu sehen ist. Vom Defilee führt ein kleiner Gang in die Hofkapelle, wo ein Quartett ein Privatkonzert gibt.

Doch bei all dem fast höfischen Zeremoniell. Vergessen ist das Schneechaos draußen nicht. Am Samstag fährt Söder nach Bad Tölz, um sich über die Arbeit der Einsatzkräfte zu informieren. Gut möglich, dass der eine oder andere von ihnen demnächst die Einladung für einen staatlichen Empfang bekommt.

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Mike Schier/Christian Deutschländer

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