Wirtschaft

Chemie-Industrie ernüchtert

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FRANKFURT – Internationale Handelskonflikte, der Austritt Großbritanniens aus der EU und die gedämpfte Weltkonjunktur haben die Stimmung der Chemieindustrie abgekühlt. „Die Chemiekonjunktur hat im Jahresverlauf zunehmend an Dynamik eingebüßt“, berichtete der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Hans van Bylen, am Dienstag in Frankfurt. Die drittgrößte Industriebranche in Deutschland hofft, dass mit einer Normalisierung des Wasserstands auf dem Rhein und der Wiederinbetriebnahme der abgestellten Anlagen die Produktion wieder hochgefahren werden kann. Wenn zudem die Automobilindustrie die Probleme bei den Zulassungen in den Griff bekomme, dürfte auch die Nachfrage seitens der Hersteller und ihrer Vorlieferanten aus der Metall- und Elektroindustrie wieder anziehen.

„Diese Belebung wird aber angesichts der gedämpften weltwirtschaftlichen Entwicklung, eines wachsenden Protektionismus und wirtschaftlicher Sanktionen nur verhalten ausfallen und voraussichtlich von kurzer Dauer sein“, zeigte sich van Bylen pessimistisch. Wenn größere Rückschläge wie ein ungeordneter Brexit ausbleiben hält der Branchenverband im nächsten Jahr „ein bescheidenes Wachstum“ für erreichbar.

Der Verband der Chemischen Industrie rechnet im kommenden Jahr mit einem Wachstum der Produktion von 1,5 Prozent, einem Anstieg der Preise um 1,0 Prozent und einem Umsatzplus von insgesamt 2,5 Prozent. Trotz der Risiken der weltwirtschaftlichen Entwicklung wird im Außenhandel ein etwas stärkeres Wachstum erwartet als im Inlandsgeschäft. „Auf die schwierige handelspolitische Weltlage brauchen wir eine europäische Antwort“, forderte der VCI-Präsident. Als einzelne Nationalstaaten habe man keine Chance auf Augenhöhe mit den USA und China verhandeln zu können.

Das laufende Geschäftsjahr überzeugte noch mit wachsenden Zahlen für Produktion, Umsatz und Erzeugerpreise. Dabei schwächte sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr deutlich ab. „Die Geschäftsaussichten werden nicht mehr so positiv bewertet wie noch zu Jahresbeginn.“

Aufgrund der noch guten Lage stieg die Zahl der Beschäftigten 2018 um 2,0 Prozent auf den neuen Höchststand von 462 000. Der Umsatz legte um 4,5 Prozent auf 204 Milliarden Euro zu. Die Erzeugerpreise stiegen um 2,0 Prozent. Damit konnten die steigenden Rohstoffkosten weitgehend an die Kunden weitergegeben werden.

Die boomende Pharmabranche, deren Produktion in diesem Jahr voraussichtlich um 11,5 Prozent zulegen wird, hat für die positiven Jahreszahlen gesorgt. Andere Sparten verzeichnen Rückgänge. Die Produktion von anorganischen Grundstoffen sinkt 2018 um 2,5 Prozent, bei Polymeren und in der Petrochemie summiert sich das Minus auf zwei Prozent. Die Hersteller von Seifen-, Wasch- und Reinigungsmitteln oder Kosmetika produzierten rund drei Prozent weniger als im Vorjahr. Nur das Geschäft mit Fein- und Spezialchemikalien legt um etwa 1,5 Prozent zu.

DAX: Schlusskurse im Späthandel am 4.12.2018 um 20:30 Uhr

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